Das zu kurze Zungenband oder orale Restriktionen

Das zu kurze Zungenband
Das Zungenband ist eine Membran, die die untere Zungenfläche mit dem Mundboden verbindet. Normalerweise bildet sich diese Membran im ersten Schwangerschafts-drittel durch geplanten Zelltod zurück und schenkt so der Zunge freie Beweglichkeit. Leider passiert dies nicht in allen Fällen vollständig. Das zu kurze Zungenband schränkt dann die Funktion der Zunge ein.
Kommen Babys mit einer eingeschränkten Zungenbeweglichkeit zur Welt, haben Sie oft Schwierigkeiten bei der Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen. Zahlreiche Symptome bei Baby und Mutter können die Folge sein. Selbst Stillen in einer natürlichen, zurückgelehnten Position bringt häufig keine deutliche, dauerhafte Verbesserung. Manche Babys können in dieser Position sogar überhaupt nicht stillen, geschweige denn, an der Brust andocken.

  • HinweiseZungenband
    • Das Baby stillt gefühlt den ganzen Tag, ohne nach dem Stillen zufrieden zu sein oder es stillt auffallend selten.
    • Das Baby hat Schwierigkeiten, die Brust zu erfassen.
    • Stillen ist nur mit Brusthütchen möglich.
    • Das Baby hat Schwierigkeiten, den Mund weit zu öffnen und trinkt an der Brust wie an einem Strohhalm.
    • Es schmatzt, schnalzt, klickt beim Stillen.
    • Dem Baby rutscht häufig die Brust aus dem Mund oder es klemmt und beißt beim Stillen.
    • Dem Baby läuft beim Stillen Milch aus dem Mundwinkel.
    • Es schläft nach kürzester Zeit an der Brust ein oder es stillt aufgeregt: Hin-Weg-Verhalten, Weinen, biegt sich nach hinten durch und kann sich an der Brust nicht beruhigen.
    • Stillstreik.
  • Mögliche Hinweise an der Brust
    • Schmerzen beim oder nach dem Stillen. Verformte, zusammengedrückte Brustwarzen nach dem Stillen. Wunde Brustwarzen.
    • Vasospasmus-Symptome (weiße oder blaue Brustwarzen, schießende Schmerzen).
    • Nach dem Stillen sind die Brüste immer noch prall, da die Brust nicht effektiv geleert wird.
    • Milchstau, Brustentzündung.
  • Mögliche sonstige Hinweise
    • Geringe oder auch sehr starke Gewichtszunahme ab Geburt. Häufig auch vorerst unauffällige Gewichtsentwicklung, die nach einigen Wochen ins Stocken gerät.
    • Um einen altersgerechten Gewichtsverlauf zu sichern, ist Zufüttern nötig.
    • Das Baby hat ein oder mehrere Saugbläschen an der Lippe.
    • Das Baby leidet unter Koliken, Bauchschmerzen, Blähungen. Es weint sehr viel.
    • Reflux-Symptome.
    • Ungewöhnlich später Beikostbeginn. Das Baby hat Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken, isst möglicherweise über lange Zeit nur sehr geringe Mengen.
    • Große Erschöpfung innerhalb der Familie durch die Stillsituation.

Wenn Stillprobleme bleiben, obwohl das Stillmanagement und die Stillposition optimiert wurden, ist es deshalb wichtig, eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit als Ursache abzuklären.
 
Wichtig zu wissen
  • Eine vollständige Abklärung oraler Restriktionen beinhaltet: Symptome bei Mutter und Kind inklusive Gewichtsverlauf (WHO-Standarts), Beobachtungen von Funktion und Kompensation beim Stillen und Weinen, sowie eine Funktionsüberprüfung der Zunge (bspw. HATLFF – Hazelbaker Assessment Tool For Lingual Frenulum Funktion). Ohne diese Vorgehensweise ist eine Aussage bezüglich einer eingeschränkten Zungenbeweglichkeit nicht vollständig.
  • Zungen- und Lippenbänder sind nicht dehnbar und wachsen sich nicht aus.
  • Eine Frenotomie ermöglicht Funktion durch einen kleinen, medizinischen Eingriff. Sie kann weder Muskelstärke herbei-, noch kompensierte Verhaltensmuster wegzaubern.
  • Eine Frenotomie ist demnach #notaquickfix, sondern Teil eines Prozesses: Aktive Vorbereitung und Nachsorge ist genau so wichtig, wie die Frenotomie selbst!
  • Auch das Timing der Frenotomie innerhalb des Prozesses ist ausschlaggebend für den Verlauf.
  • Stillen (ohne Kompensationen) ist myofunktionelles Training: Es fördert Nasenatmung, Lippenschluss, die optimale Zungenruhelage, ein gesundes Schluckmuster und sorgt damit für die optimale Entwicklung von Kiefer und Atemwegen.
  • Die WHO empfiehlt: 6 Monate ausschließliches Stillen, danach – neben geeigneter Beikost – weiterstillen nach Bedarf bis zum Alter von 2 Jahren, oder darüber hinaus, wenn Mutter und Kind dies wollen.

Bitte bedenke: Nicht jeder Arzt/ Ärztin, Therapeut/ Therapeutin, Berater/ Beraterin kennt sich gleichermaßen gut mit oralen Restriktionen aus oder sieht die Frenotomie als Teil eines Prozesses! Transparente Zusammenarbeit aller beteiligten Fachleute hilft, das Stillen zu erhalten. Ich biete dir neben Stillberatung und meinem Fachwissen im Bereich der eingeschränkten Zungenbeweglichkeit und deren Begleitung vor und nach der Frentomie, die Einbindung in ein lokales Netzwerk zungenbandversierter Fachleute aus vielen Bereichen.

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